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Mrz 31 2013

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[Game] Dark Souls – Prepare to Die Edition

Cover des Spiels

Cover zu Dark Souls
(© Bandai Namco)
(via PC Games)

Dark Souls ist das Ergebnis davon, was passiert wenn japanische Kultur ihren ganz eigenen kulturellen Blick auf europäische Göttermythen richtet. Es ist eine Welt die zugleich fremd und vertraut erscheint. In der Welt von Dark Souls ist Feuer nicht nur ein einfaches Naturereignis sondern die Quelle von Konzepten wie Leben und Tod, Licht und Dunkelheit. Das Feuer hat die Welt verändert, Wesen die aus der Dunkelheit entstanden, fanden im Feuer gottgleiche Macht und benutzten sie um die Ordnung der Welt zu verändern. Die Geschichte von Dark Souls spielt einige Zeit später, als das lebenspendende Feuer zu verblassen beginnt und aus Sterblichen mit dem dunklen Mal verfluchte Untote werden. In Dark Souls bist du ein solcher Untoter.

Ich liebe dieses Spiel

Das muss ich an dieser Stelle gleich vorwegnehmen. Ich habe sage und schreibe über 300 Stunden mit diesem Spiel verbracht. Meine Meinung wird nicht einmal im Ansatz objektiv sein können. Aber ich will es versuchen. Am einfachsten formuliert ist Dark Souls anders. Auf den ersten Blick erscheint es wie ein einfaches Hack and Slay. Schlagen, Blocken, wer andere Spiele des Genres schon einmal gesehen hat, findet sich schnell zurecht. Aber zugleich ist es auch kein Hack and Slay. Der Kampf ist taktisch, berechnend und ohne Gnade. Ein Zweihänder zum Beispiel hat einiges an Gewicht und um diesen für einen Überkopf-Hieb zu verwenden, muss deine Figur beide Beine fest auf den Boden stellen, sich zurückneigen, ausholen und das große Schwert auf den Gegner herabfallen lassen. Letzten Endes hat das mit Eleganz nichts zu tun und deine Figur fällt – von Gewicht und Masse getragen – fast auf die Nase.

Dark Souls - Rückenschmerzen  Eigener Screnshot

Dark Souls – Rückenschmerzen
Eigener Screnshot

Das ist anders als typische Fantasy Spiele. Ebenso das Stamina System. Jeder Hieb, jedes Blocken verbraucht etwas Energie. Diese regeneriert sich je nachdem was du tust mal schneller, mal langsamer. Fehlt das Stamina um zum Beispiel einen Hieb zu Blocken, wird dein Schild einfach zur Seite geschlagen und deine Figur braucht einen Moment um die Balance zu gewinnen. Dark Souls ist ein sehr schweres Spiel und bestraft Unaufmerksamkeiten sofort. Schaust du im Tutorial zum Beispiel nicht hin, wo du hinläufst, wirst du gnadenlos von einer Stahlkugel überrollt. Oder wenn der Tutorial-Boss, seines Zeichens über 5 Meter hoch, breiter Hintern, kleine Stummelflügel und ein verdammt großer Holzhammer – nein wirklich – besagten Hammer auf deinen Schädel herabfallen lässt, dann schreit die Logik panisch kreischend von beiden Schultern „Weich doch aus du !ä#1$/!/1“.

Dark Souls - Kennt jemand noch diese Knetmasse-Brettspiele von früher, bei denen man die Figur der Mitspieler kleinmatschte? Ja - so ähnlich.  Eigener Screenshot

Dark Souls – Kennt jemand noch diese Knettmasse Brettspiele von früher wo man die Figur der Mitspieler klein matschte? Ja – so ähnlich.
Eigener Screenshot

Aber ich habe die Schwierigkeit erwähnt und das ist auf gewisse Weise ein Punkt wo ich die rosa Brille doch einmal absetzen muss. Dark Souls ist verdammt schwer. Die größte Schwierigkeit ist dabei ein Mangel an Informationen auf Seiten des Spielers. Mit der Schwierigkeit selber habe ich keine Probleme, sie unterstreicht famos die düstere hoffnungslose Atmosphäre des Spiels, aber ich hab definitiv ein 5-Meter-Breithintern-Dämonenhühnchen mit dem Informationsmangel zu rupfen. Das Spiel leistet einen verflucht lausigen Job, wenn es darum geht den Spieler über regeltechnische Dinge zu informieren. Zum Beispiel sagt einem das Spiel über Ausdauer „Beeinflusst Stamina und Menge an Ausrüstung die du tragen kannst (paraphrasiert)“. Das ist noch schlüssig. Auch dass eine schwere Waffe mehr Stamina verbraucht als eine leichte. Klar, leuchtet ein. Was genau bewirkt das Attribut Stabilität bei einem Schild? Hat wohl irgendetwas mit Blocken zu tun. Und was macht dann die andere Zahl da. Aha, Schaden weil man mit Schildern auch Schlagen kann? Okay und wie genau wirkt jetzt Stabilität? Irgendwie halt. Du musst für Dark Souls dazu bereit sein auch mit einem Mangel an Informationen auszukommen. Dir muss es im Prinzip reichen zu wissen das 64 Stabilität besser sind als 62 Stabilität. Warum genau und was es tut, das flüstert dir höchstens Wiki. Das Beispiel leuchtet jetzt noch irgendwo ein, ein Schild mit hoher Stabilität, na das schlägt man halt nicht so leicht zur Seite. Aber Dark Souls wimmelt von solchen Sachen. Wenn es darum geht rauszufinden warum ein Morgenstern mit sichtlich schlechteren Schadenswerten bei einem Skelett mehr Schaden macht, naja, Wiki oder das alte Rollenspieler Prinzip: Mir doch egal, solang es wirkt. Und um dir einen großen Dienst zu leisten falls du es je spielst:
Ausdauer erhöht nur bis 40 die Stamina und Widerstandskraft ist absolut sinnlos. Da, bitte. Keine Ursache.

Please reconnect Controller

Mit dem Controller spreche ich gleich das nächste Problem an. Dark Souls war ursprünglich ein Konsolenspiel. Die Geschichte wie es trotzdem den Weg auf den PC fand ist sogar ganz interessant. Spieler fanden das Spiel gehöre auf den PC, eine überraschend erfolgreiche Unterschriftenkampagne wurde gestartet, der Kontakt zum Entwickler wurde gesucht mit der klaren Botschaft: Wir wollen dieses Spiel und wir opfern dafür notfalls sogar unsere ungetauften Erstgeborenen. Der Entwickler hat allerdings leider kaum Erfahrung mit den Anforderungen der PC Entwicklung. Das Resultat ist ein sogenannter schlechter Port. So aus der DVD Hülle (oder dem Digital Download heraus) sieht Dark Souls auf dem PC Monitor gruselig aus und lässt sich ohne Gamepad kaum spielen. Es ist nicht unspielbar, aber es geht viel vom Spielspaß verloren wenn alles sehr matschig aussieht, keine Konturen erkannt werden können und zudem die Steuerung einfach nicht taugt.

Zum Glück gibt es dafür zwei Fanpatches. Der DSFix erlaubt diverse sehr dringende Anpassungen an den PC und der Mouse Fix macht das Spiel mit Maus und Tastatur spielbar. Trotzdem, wenn du Dark Souls willst, sei bereit dich etwas mit obskuren Konfigurationsdateien herumschlagen zu müssen, wofür du eine gewisse Grundkenntnis über die Art wie dein PC funktioniert, benötigst.

Die Atmosphäre ist fast essbar, so dicht ist sie

… während ich hingegen nicht mehr ganz dicht bin.
Die Atmosphäre ist die größte Stärke und Schwäche des Spiels. Die eingehende Geschichte ist nur die Rahmung. Im ersten Augenschein wirkt die Geschichte fast unwichtig. Wer oberflächlich durch das Spiel rast und sich so nicht auf die Welt einlassen kann, wird von Dark Souls bitter enttäuscht werden. Dark Souls erzählt seine Geschichte indirekt. Ich habe beim ersten Durchspielen gar nicht gemerkt wie subtil das Spiel dabei vorgeht. Es dauerte eine Weile bis es mir dämmerte. Nicht weil ich nicht ganz dicht bin, sondern weil Dark Souls die Anspielungen fragmentiert. Über unzählige Verbindungen erfährst du Informationen über Personen, die Welt und Gegenstände. Wie ein Puzzle baust du dir die Welt zusammen. Aber die Verbindungen musst du selber machen. Gut, musst du prinzipiell nicht, das Spiel ist auch ohne machbar. Aber es sind diese Details die in mir eine wilde Faszination für dieses Spiel ausgelöst haben. Jedesmal wenn ich ein neues Puzzlestück gefunden, beziehungsweise verstanden habe, löste das ein Hochgefühl aus. Und manchmal, sind die Puzzlestücke Gemälde an der Wand. Manchmal sind es die Überbleibsel eines Toten. Manchmal die Form einer Rüstung. Zu keinem Punkt sagt Dark Souls, hier, schau hin, da ist Story. Das liebe ich, da wirst du nicht einfach vom Entwickler als größte anzunehmende Blödheit behandelt. Stichwort Drücke X um zu gewinnen (Final Fantasy 13).

Dark Souls - Das Feuer signalisiert: Hier bist du erstmal sicher.  Eigener Screenshot

Dark Souls – Das Feuer signalisiert: Hier bist du erstmal sicher.
Eigener Screenshot

Wie spielt es sich?

Es gibt kein Questlog. Niemand sagt dir wo du lang mußt. Die Welt von Dark Souls erkundest du ganz auf dich allein gestellt. Dabei wanderst du von Ort zu Ort, die alle glaubhaft miteinander verbunden sind, und erlegst dabei immer stärkere Gegner. Dabei lohnt es sich in jede Ecke zu schauen, denn dort finden sich Gegenstände, NPCs oder einfach nur Abkürzungen die die langen Laufwege abkürzen. Ein besonderes Element sind die sogenannten Bonfires. In Dark Souls spielst du mit stark begrenzten Ressourcen, die du nur an einem solchen Bonfire wieder auffüllen kannst. Das heißt konkret, wenn du die 5 Heiltränke verbraucht hast, musst du zu einem Feuer oder ohne weiter. Gleiches gilt für Zaubersprüche. Der Nachteil daran: Immer wenn du das Lagerfeuer benutzt, wird die Welt zurückgesetzt. Die Gegner tauchen alle wieder auf. Das heißt konkret wenn du mit 5 Heiltränken zum Beispiel an einer Stelle nicht vorbeikommst, dann musst du solange experimentieren oder woanders lang gehen, bis du die betreffende Passage überlebst. Das macht die Feuer zu einem besonderen Hafen der Ruhe und steigert die Spannung wenn die Ressourcen knapp werden – aber kein Feuer in Sicht ist. Geh ich jetzt zurück – der Weg ist ja frei – oder riskier ich es weiter vorzudringen? Gehst du dabei drauf wirst du zum letzten Feuer zurückgeschickt. Und wie bei jeder Feuerbenutzung, tauchen die Feinde wieder auf. Das macht Dark Souls zu einem taktischen Spiel bei dem Ressourcen klug verwaltet werden müssen um vorzudringen. Ständig steht dort die Abwägung, nehm ich jetzt das Schwert oder benutze ich einen Zauberspruch? Der Zauberspruch ist stark, aber ich habe nur noch 3 davon. Das Schwert kostet keine Ressourcen aber ich werde vielleicht getroffen und dann brauch ich doch die kostbaren Heiltränke.

Genug geschrieben, hier ist etwas Salz

denamed_100x
dEnamed meint: thumbsupthumbsupthumbsup
und noch ein paar mehr 😉

Ich könnte noch Seiten schreiben. Ich könnte die glaubhaft gemachten Gegenden loben, ein paar Lobeshymnen auf das Monsterdesign anbringen, der Musik einen eigenen Altar bauen… aber schlussendlich habe ich das wichtige eigentlich gesagt. Das Spiel gefällt mir und ich empfehle es fast jedem. Es gibt nur ein paar wenige Ausnahmen und die sind folgende:

  1. Wenn du keine Lust hast dich mit Konfigurationsdateien rumzuschlagen. Es ist ohne Fanpatches kaum spielbar.
  2. Wenn du Schwierigkeiten damit hast, nicht zu jeder Zeit im Vollbesitz aller Informationen zu sein und dich auch vor Wikis und Lösungen scheust.
  3. Wenn du eine relativ geringe Frustrationstoleranz hast. Das Spiel wird deinen Helden töten. Bis zum ersten Durchspielen sicher tausend mal.
  4. Wenn du eine klar vorgegebene Richtung in Spielen brauchst. Den Punkt habe ich bisher verschwiegen, deshalb kurz noch hier: Dark Souls ist als Spielwelt relativ offen, wenn auch nicht Open World.

Das sind die vier Punkte die dir den Spielspaß womöglich zunichtemachen können. Wenn dir das nichts ausmacht und du dich auf das Spiel und seine Atmosphäre einlassen kannst, erlebst du hier eines der Highlights der Spielegeschichte. Aber Vorsicht, womöglich verschlingt es ähnlich wie bei mir wahnsinnig viel Zeit.

~dEnamed

Dark Souls. Spiel.
Von From Software
Erhältlich auf Steam für 39,99€
oder der Website des Entwicklers.

Über den Autor

dEnamed

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://spiegelwelten.ch/2013/03/game-dark-souls/

1 Kommentar

  1. dEnamed

    So im Nachhinen ist mir noch eingefallen das es eventuell sinnvoll gewesen wäre zu erwähnen, das im Todesfall die aktuellen noch unbenutzten Erfahrungspunkte fallen gelassen werden. Man kann diese aufheben – im dem Fall ist fast nix verloren – aber das leider immer nur für den letzten Tod. Stirbt man auf dem Weg dahin…

    Eigentlich wollte ich aber noch zwei Links zum Spiel posten. Beide enthalten Spoiler, sind also nur etwas für diejenigen von euch die das Spiel durch haben – oder keine Lust haben es je zu spielen.

    Der erste Link ist aus einem Lets Play dazu, der Herr Swiftor nimmt sich mit Smough und Ornstein ein Bosspaar vor, dass schon viele frustriert hat. Der langsame Abstieg Richtung Wahnsinn, gen Ende des Videos unterstreicht auf amüsante Weise, warum ich das Schlagwort „Sterbespiel“ gesetzt habe.
    http://www.youtube.com/watch?v=kX3AY-ZNsmI (enthält viel Geschrei und Gefluche)

    Das zweite ist ein Tagebuch, in dem jemand alle Tode festgehalten hat. Dabei entsteht mit der Zeit eine ganz eigene Dramatik aus Beobachtungen, der Story und dem Spiel. Wer auf das Spiel keine Lust hat, aber trotzdem wissen möchte worum es da eigentlich genau geht, dem sei die Reihe ans Herz gelegt. Es liest sich spannend.
    http://tap-repeatedly.com/2011/12/dark-souls-diaries-deaths-1-133/

    Viel Spaß 🙂

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