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Mrz 01 2013

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[Buch] Starship Troopers – Robert A. Heinlein

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Cover zu Robert Heinleins „Starship Troopers“
(via hubpages.com)


Die föderalen Streitkräfte geniessen auf der Erde nicht gerade einen guten Ruf. Zwar stehen die Menschen im Krieg mit den „Bugs“, den Pseudo-Arachniden vom Planeten Klendathu, aber der scheint so weit entfernt, dass viele Menschen an seiner Notwendigkeit zweifeln. Johnnie Ricos Vater ist einer dieser Menschen und ist entsetzt, als sich sein Sohn für die Streitkräfte verpflichten will. Doch Johnnie glaubt zu wissen, was er tut. Er will seine Bürgerpflicht tun, er will die Erde verteidigen, und ein bisschen auch den Nervenkitzel des Krieges erleben. Nicht einmal die angedrohte Enterbung lässt ihn von seinem Vorhaben abbringen.
Rico tritt der Mobilen Infanterie bei. Ursprünglich hatte grosse Ambitionen, Pilot vielleicht, aber seine Qualifikationen reichten nicht aus. Harte Monate als Rekrut vergehen, bevor Rico auch nur einen Fuss in ein Raumschiff setzt, geschweige denn in den Kampfanzug der Infanterie. Doch er übersteht die Grundausbildung und reist in der
Rodger Young zu den Sternen, um endlich den Bugs entgegenzutreten.

Moralphilosophische Rechtfertigung vs. intimes Tagebuch

Obwohl sich in Starship Troopers alles um Krieg, Schlachten und abgrundtief böse Feinde dreht, wird vergleichsweise wenig über blutige Schlachten erzählt. Natürlich gibt es die auch – und die sind im Übrigen viel spannender und ernster als im Film (siehe unten) –, aber noch viel wichtiger scheinen dem Autor Heinlein die moralischen Fragen zu sein. Es beginnt bereits mit Ricos Vater, der den Beitritt in die Streitkräfte als falsch betrachtet und geht weiter mit Rückblenden, als Rico noch zur Schule ging, und über in den Schulstunden über Sinn und Unsinn des Krieges debattiert hatte.
Der Roman ist keine lineare Geschichte. Er beginnt in medias res, also mitten in der Geschichte, und bringt den nachdenklichen Erzähler Rico zum Vorschein, der seine Geschichte erzählt und seine Taten hinterfragt. Starship Troopers wirkt so wie die Memoiren eines Soldaten, wie ein intimes Tagebuch eines sehr wachen Geistes und Beobachters.
Man glaubt, eine Art Wunschdenken oder auch eine Rechtfertigung herauszuhören. Denn was Heinlein zeichnet ist eine Gesellschaft des Verdiensts und der Aufopferung. Öffentliche Ämter und gesellschaftliche Verantwortung dürfen per Gesetz nur von Erdbürgern übernommen werden, wenn sie sich den Streitkräften verpflichtet haben. Eine „Meritokratie“ heisst es auf Wikipedia. Nur wer seine Qualitäten beweist und Verantwortung übernimmt, wird zum vollwertigen Bürger. Gleichzeitig kreiert er eine Armee, die funktioniert. Militärische Hierarchien haben den Vorteil, dass sie zu sehr raschem Handeln befähigen. Gleichzeitig ist das aber auch ihre Schwachstelle, wenn ein Glied in der Hierarchie schwächelt oder ausgeschaltet wird. In Starship Troopers funktioniert die Armee bestens geölt vom grünschnäbligen Soldaten bis hinauf zur Admiralität.
Ich will nicht behaupten, dass ich nach dem Roman nun zu einem Armee-Befürworter geworden bin, aber Heinlein schafft es in meinen Augen, den Leser – zumindest für die Dauer der Lektüre – in diese Richtung zu bewegen. Ob man das nun möchte oder nicht.

Film und Buch

Mit den vorangegangenen Absätzen sollte klar geworden sein, dass sich Film und Buch gewaltig unterscheiden.
Paul Verhoevens Verfilmung von 1997 ist eine Satire, auf Heinleins im Grunde genommen ernst gemeinten Roman. Es wird mit faschistoiden Elemente wie den Uniformen gespielt, die Soldatenausbildung ist ein schlechter Witz, die zu noch schlechter ausgebildeten Truppen führt, die nicht viel mehr als billiges Kanonenfutter sind. Im Roman ist die Mobile Infanterie eine Eliteeinheit. Die Uniform besteht nicht aus nutzlosen und klobigen Plastikhelmen und Brustpanzern, sondern aus einem roboterartigen Ganzkörperanzug mit stationären Waffen und Flug- und Schwebemöglichkeiten (mit anderen Worten: ein etwas klobigerer Iron Man). Dementsprechend müssen nicht hunderte Soldaten geopfert werden, es reicht, wenn eine Handvoll bestens ausgebildeter Spezialisten übers Schlachtfeld fliegt und punktuell den Feind an den Schwachstellen überwältigt.
Im Film geht ausserdem alles viel zu schnell. Von der Ausbildung werden nur Highlights gezeigt, dann geht es los mit den Schlachten auf Klendathu und anderen Bug-Planeten, und der Film ist zu Ende.
Im Buch nimmt die Ausbildung und damit Johnnies Charakterentwicklung einen viel grösseren Stellenwert ein. Seine Gedanken über Sinn und Unsinn des politischen und militärischen Systems, sein Kampf mit den Widrigkeiten der Ausbildung, der Natur und seiner Ausrüstung; all das wird zu einem aufregenden Abenteuer für den Leser. Erst gegen Ende erfolgen die entscheidenden Schlachten gegen die Bugs, und du erhältst wegen Johnnies Führungsposition einen tiefen Einblick in die Taktik und Planung der Angriffe. Was wiederum ein starker Kontrast zu den sehr blauäugigen und vom Glück abhängigen Schlachten im Film darstellt.

Fazit

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Vega meint: thumbsup

Ich möchte damit den Film nicht schlecht machen. Er ist für sich gesehen durchaus unterhaltsam (ich sage nur: Neil Patrick Harris), aber die ganzen Zweifel und Fehler, die Rico im Laufe des Romans beschäftigen, werden im Film vollständig ausgeblendet. Und das ist schade. Es ist, wie wenn der Film eine ganz andere Saite anschlägt als der Roman; nur das Setting und die Figuren sind gleich. Wenn du also den Film nicht gut findest, wirst du mit dem Roman eine ganz andere Geschichte bekommen. Das gleiche in Grün gilt für dich, wenn du den Film magst.
Ich gebe Starship Troopers von Robert Heinlein ein überzeugtes „Daumen-Hoch“, weil man durch die breite Gedankenwelt Ricos einen sehr intimen Einblick in ein schwieriges Thema bekommt. Der Roman regt zum Nachdenken an.

~ Dani Vega

PS: Das Review habe ich am 18.05.2010 erstmals auf raVenport veröffentlicht, aber hier komplett überarbeitet.

Starship Troopers.
Robert A. Heinlein.
4. Auflage, bei Ace Books 2006 [1959]. 264 Seiten.
ISBN: 978-0-441-78358-8 (engl. Fassung)

Über den Autor

Vega

Ich bin Vega, Admin und Redaktor von Spiegelwelten.ch, einem Blog für Videospiele und Bücher, für Geschichten, die unsere Welt abbilden.

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