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Mrz 15 2013

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Re: [Buch] Die dunkle Quelle – Tobias O. Meißner

cover_die-dunkle-quelle

Cover zu Meißners „Die dunkle Quelle –
Im Zeichen des Mammuts 1“
(via piper-fantasy.de)


Rodraeg fristet in Kuellen als Gemeindeschreiber ein angenehmes Leben. Sein Alltag mit den Sorgen und Nöten der Dorfbewohner ist überschaubar und mit etwas Zeitaufwand und gutem Zureden zu bewältigen.
Eines Nachts steht eine zierliche junge Frau in seinem Arbeitszimmer, obwohl das Rathaus verschlossen war. Naenn unterbreitet Rodraeg ein Angebot. Sie sei vom
Kreis geschickt worden, einer mysteriösen Geheimorganisation, die sich der Erhaltung des natürlichen Gleichgewichts der Natur und Welt verschrieben hat und nun eine Einsatztruppe auf die Beine stellen will, die dies gewährleistet.
Rodraeg fühlt sich überrumpelt. Wieso in aller Welt sollte sich eine Geheimorganisation gerade an ihn wenden? Er ist doch nichts Besonderes. Ein kampferprobter Krieger wäre da doch viel besser geeignet. Doch Naenn beharrt auf dem Angebot. Nach ihm habe sie gesucht, und nur nach ihm. Für ihr Vorhaben brauche sie keine Armee, kein Söldnerheer, sondern eine Handvoll ausgesuchter, vertrauenswürdiger Leute, die überlegt und im Stillen arbeiten. Und Naenn braucht einen Anführer, einen Diplomaten und ein Organisationstalent. Eigenschaften, die sie in Rodraeg sieht.
Rodraeg weiss nicht, wie ihm geschieht. Zuerst zweifelt er an Naenns Urteilsvermögen, aber von ihrem Charme (und ihrer kaum merklichen Verzweiflung) lässt er sich schliesslich überzeugen. Er kehrt dem Provinzkaff Küllen den Rücken – eigentlich hätte er das schon längst tun sollen – und zieht mit Naenn nach Worchaim, wo sie ihr Hauptquartier beziehen und erste Mitstreiter anwerben. Die Einsatztruppe
Mammut ist geboren.

Fantasy-Rollenspiel in Buchform

Mir gefallen Meißners Schreibstil und die Umsetzung seiner Ideen sehr. Es gibt viele Fantasy-Romane, die sich um das Anwerben von Teilnehmern einer Gruppierung drehen. Eine kleine Gruppe von Abenteurern, die sich einem grossen Ziel verschreiben oder gegen eine böse Macht verbrüdern. Eigentlich das A und O der meisten Fantasy-Romane. Und das A und O jedes Pen&Paper-Rollenspiels.
Doch Meißner macht es erfrischend anders. Er wählt einen Schreiberling als Protagonisten, jemanden, der weder Ahnung vom Kämpfen noch von Magie hat, noch irgend ein verborgenes Talent, das zu etwas Besonderem macht. Seine einzigen beiden Waffen sind sein Verstand und sein Sprachorgan. Ein Protagonist mit Ängsten, Macken, mit Ecken und Kanten, der dir als Leser sofort sympathisch ist.

Das bedeutet aber nicht, dass Rodraeg wie ein gewitzter Politiker jeden Gesprächspartner unter den Tisch argumentiert. Gar nicht. Es geschieht mehr als einmal, dass nicht alles so gut läuft, wie es geplant war. Aber so soll es auch sein. So ist es auch im richtigen Leben. Und genau das macht diesen Roman aus. Er erscheint realistisch.

Realistische Fantasy?

„Realistisch“ und „Fantasy“ im gleichen Atemzug zu benutzen, mag eigenartig erscheinen, aber genau das beschreibt den Roman Die dunkle Quelle und die ganze Mammut-Serie am besten.
Fantasy hat für mich immer einen Hauch von „Märchenhaftigkeit“, von „Unnahbarkeit“ an sich. Bei Meißner fällt das weg, es wirkt alles sehr viel plastischer und greifbarer, obwohl es fantastische Elemente wie Magie, Telepathie, Monster und Einfluss nehmende Götter gibt.
Die Figuren, um die sich der Roman dreht, sind keine auserwählte Übermenschen oder vom Schicksal gezeichnete Halbgötter. Es sind Menschen, wie du und ich, die der Welt, in der sie leben, etwas Gutes tun wollen. Und dazu nutzen sie diejenigen Werkzeuge, die sie am besten benutzen können. Rodraeg seinen Verstand und seine Stimme, Naenn ihre Verbundenheit zur Natur, und die übrigen Mitstreiter, die ich jetzt nicht spoilere, die ihren.
Für den Romanverlauf heisst das – wie bereits etwas angedeutet –, dass die Figuren Fehler machen, dass sie ihre Aufträge nicht auf die optimalste Art erledigen. Sie machen Fehler, müssen improvisieren, und sie können sich nicht auf eine höhere Macht verlassen, die sie am Ende rettet.
Ich könnte jetzt Absatz um Absatz anfügen, und versuchen, dir Gründe für dieses realistisch-Gefühl zu liefern, aber letztlich wirst du nicht drum herum kommen, dir selber ein Bild zu machen. Ich steh dafür ein, dass es sich lohnt.

Fazit:

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Vega meint: thumbsup

Die dunkle Quelle ist für meinen Geschmack etwas vom Besten in der Fantasy, das ich seit langem gelesen habe. Das hatte ich schon 2010 geschrieben, als ich das Buch das erste Mal auf raVenport besprochen hatte, und bin noch heute dieser Meinung. Hätte ich noch eine Bewertungsskala auf meinem Blog, erhielte Meißner für seinen Roman eine Top-Wertung. Schade, dass man in der Buchlandschaft nicht mehr von ihm und der Mammut-Serie hört.

Einziger Kritikpunkt ist der Titel. Im Zeichen des Mammuts ist zwar gut gewählt, wenn man weiss, worum’s geht, aber als potentieller Leser/Käufer ist man dazu geneigt, ihn mit Eiszeit und Neandertalern in Verbindung zu bringen, was völlig falsch ist. Vielleicht ist Meißner deshalb nicht so bekannt, wie er sein sollte. Höchste Zeit, das zu ändern!

~ Dani Vega

Die Dunkle Quelle. Im Zeichen des Mammuts 1.
Von Tobias O. Meißner.
2. Auflage, beim Piper Verlag, 2008. 375 Seiten.
ISBN: 978-3-492-26581-2

Über den Autor

Vega

Ich bin Vega, Admin und Redaktor von Spiegelwelten.ch, einem Blog für Videospiele und Bücher, für Geschichten, die unsere Welt abbilden.

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