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Feb 08 2013

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Re:[Buch] Ich bin Legende – Richard Matheson

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Cover zu Mathesons „Ich bin Legende“
(Via randomhouse/Heyne)


Müsste man Robert Nevilles Leben seit der Katastrophe mit einem Wort zusammenfassen, dann wäre dieses Wort: „Einsamkeit“.
Kein Mensch versteht besser, was Einsamkeit ist als er; kein Mensch ist mehr auf sich allein gestellt als er; kein Mensch weiss sich besser zu helfen als er. Und das nicht nur, weil er seit der Katastrophe keinen einzigen anderen Menschen mehr gesehen hat. Des Nachts wenn er sein Haus und seine Garage verbarrikadiert, die Fenster vernagelt, die Veranda mit Knoblauchketten ausgeschmückt und den Spiegel an der Türe befestigt hat, versuchen untote Kreaturen in seine uneinnehmbare Festung einzudringen.
Neville bleibt nichts anderes übrig, als zu warten. Manchmal lässt er sich mit Whisky volllaufen, zündet einen Glimmstängel nach dem anderen an, hört dabei Mozart oder Beethoven, um seinen Alltag auszublenden, seine ausweglose Situation zu vergessen. So lange, bis er vor Erschöpfung einschläft.

Tagsüber wendet sich das Blatt. Das Opfer wird zum Jäger. So lebendig und furchteinflössend die unheiligen Kreaturen bei Nacht sind, so verletzlich und hilflos sind sie es bei Tag. Unbeweglich schlafend, in den dunkelsten Ecken und Kammern findet Neville sie und beendet ihr falsches Leben.
Und ist er nicht auf der Jagd, so repariert er die nächtlichen Schäden an seinem Haus, erntet Knoblauch, schnitzt und schleift hölzerne Pfähle, macht Besorgungen, um sich für die kommende Nacht zu wappnen.
Jede Nacht, jeden Tag.

Ich bin dem jüngsten Hype der Vampirromane, und dem folgenden Wahn der mainstreamigen (gibt’s das Wort?) Trittbrettfahrer, nicht gefolgt, kann mir deshalb kein stichhaltiges Urteil bilden, wie viel die Romane taugen. Eher zufällig bin ich auf einen Vorreiter dieser Vampirromane gestossen, der nach Bram Stoker eine wichtige Weiche gestellt hat für das heutige Verständnis der fiktiven Kreatur des „Vampirs“.
Den Film (mit Will Smith), der vor nicht allzu langer Zeit in die Kinos gekommen ist, habe ich gesehen, da wollte ich wissen, ob es – wie so oft – der Fall ist, dass das Buch besser ist, als seine filmische Umsetzung. Meine Antwort: „Ja, aber…“

Ja, aber der Film ist nicht weniger gut, er führt gegen Ende nur in eine ganz andere Richtung, die dem Film entsprechend aber logisch ist. Genauso wie die Richtung im Buch in sich logisch ist.

Ich hatte mich entschlossen eine Rezension zu schreiben, weil ich Interessierten zeigen will, dass es sich lohnt das Buch zu lesen, auch wenn man den Film gesehen hat. Es lohnt sich aber auch, wenn man weder das eine noch andere kennt.

Fazit: Ich habe den Eindruck, dass viele Vampirromane mit Klischees arbeiten, vermeintliche „Tatsachen“ über Vampirismus ohne Nachzudenken übernehmen. Matheson hat mit Neville eine Figur geschaffen, die sich mit diesen Halbwahrheiten auseinandersetzen muss, und niemand anders fragen kann, als seinen Verstand und Bücher, in denen nichts Konkretes darüber steht. Seine Erkenntnisse sind nicht einfach nur Erklärungen für den Leser, für Neville sind sie überlebensnotwendig. Er muss seinen Feind verstehen, um ihm die Stirn bieten zu können.
Neville avanciert vom rebellischen Aufbegehrer zum überzeugten Einsiedler, und bleibt doch letzten Endes immer ein Mensch.
Der letzte Mensch.
Eine Legende.

~ Dani Vega
(Rezi am 8.10.2009 auf raVenport erstveröffentlicht)

Ich bin Legende
Von Richard Matheson
Aus dem Amerikanischen von Lore Strassl und Ralf Schmitz.
3. Auflage erschienen beim Heyne-Verlag 2008. 207 Seiten (bzw. 398)
ISBN: 978-3-453-50155-3

Über den Autor

Vega

Ich bin Vega, Admin und Redaktor von Spiegelwelten.ch, einem Blog für Videospiele und Bücher, für Geschichten, die unsere Welt abbilden.

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