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Dez 13 2012

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[Game] Minecraft und Tekkit

Minecraft-Steve

Minecraft-Steve mit Schaf und Schweinchen
(via scottclements1.wordpress.com)


Wie kommt es, dass in unserer Zeit der realistischen Videospiele eines mit simpelster Grafik so erfolgreich ist? Oder anders gefragt: Wie kommt es, dass Minecraft so erfolgreich ist? Natürlich gibt es tausende weitere Spiele mit einfacher Grafik, andere grossartige Indie-Games, aber mit denen werde ich mich ein andermal befassen.
Minecraft.
Minecraft ist das Spiel der Blöcke. Du hackst Holz, gräbst Erde und Sand, baust Stein und Minerale ab, allesamt in Form von perfekten Würfeln. Was du abbaust, gelangt ins Inventar, und daraus kannst du wiederum mit simplen Rezepten Werkzeuge und Maschinen herstellen und Gebäude bauen. Je tiefer du gräbst, desto wertvoller sind die auffindbaren Rohstoffe. Und erst mit diesen Rohstoffen wird Minecraft richtig interessant. Jetzt kann man anfangen, Maschinen bauen, kann sich richtig gute Rüstungen schmieden, kann Schienen um die halbe Welt oder den Minenschaft hinab und hinauf legen. Und endlich kann man sein Hauptquartier so richtig aufmotzen. Ein Magierturm, eine Bergfeste, eine japanische Pagode oder ein Unterwasserschloss. „Only the sky is the limit“, sagt man so schön, doch selbst hundert Meter über dem Boden kann man seine schwebende Insel bauen. Alles ist möglich.

Regelmässige Blöcke, die man auf- und nebeneinanderstapeln kann, um damit Häuser, Eisenbahnstrecken und Maschinen zu bauen, oder kleine klobige Figürchen mit unförmigen Köpfen? Stundenlanges Zusammenbauen und Auseinandernehmen, und irgendwann das Ganze mit grossem Bummbumm zerstören. Hand aufs Herz, das kommt dir doch sicher bekannt vor, oder?


Inoffizielle Top10 Builds von 2011
(via YouTube, zusammengestellt vom User „0GameWorld0“)

Minecraft ist wie LEGO spielen.
Nicht das LEGO-Spielen, wenn man sich ein überteuertes Paket mit Bauanleitungen zulegt, das man dann minuziös zusammenbaut, sondern das LEGO Spielen mit einer Kiste voll von unsortierten Teilen; wenn man vorher nicht weiss, was später daraus wird. Kreatives LEGO-Spielen. Was habe ich für Teile? Und was kann ich daraus machen?
Ich halte das für den Hauptgrund für Minecrafts Erfolg. Es ist wie LEGO plus der Nervenkitzel, wenn einem die bogenschiessenden Skelette, giftigen Spinnen und explodierenden Creeper ans Leder wollen.
Wenn jetzt jemand sagt, LEGO Spielen sei was für Kinder, oder Erwachsene spielen ja nicht, weil Spielen kindisch sei. Ja, du mich auch. Ich bedauere Leute, die das glauben, meistens besitzen sie keinen Funken Kreativität. Hier ein kleiner Beweis, dass man es mit LEGO auch durchaus Ernst meinen kann: An der ETH hat das Informatik-Institut mitunter eine Homepage für LEGO-Projekte, weil es die Kompatibilität der einzelnen Teile enorm leicht macht, kleine Geräte und Maschinen zusammenzubauen. Und wenn mir jemand weissmachen will, dass man in Minecraft nur herumblödelt, Zombies umbringt und Zeit verschwendet, soll sich mal das Video auf der rechten Seite ansehen. Sehe und staune. Und mit Verlaub, das ist nicht der Einzelfall. Ich hatte nicht stundenlang nach einem geeigneten Filmchen gesucht, sondern einfach nur „minecraft building“ gegoogelt. Das war eines der ersten Suchergebnisse.


Rube Goldberg Machine in Minecraft
(via YouTube, vom User „danielplaysminecraft“)

Oder wenn du etwas mehr Maschinen und Technik wünscht: wie wäre es mit einer Rube Goldberg-Maschine? (Siehe rechts)

„Diggy diggy hole“ – The Yogscast

Wie bin ich überhaupt zu Minecraft gekommen, werdet ihr euch vielleicht fragen. Ganz ehrlich, es war Zufall. Ich hatte schon von Minecraft gehört, hatte eine Demoversion sogar mal auf dem Computer. Dann stand ich in einer neuen Welt und baute einfach mal einen Turm aus Erde in den Himmel (ein „Nerdpole“). Ich hatte keine Ahnung und wusste nichts mit dem Spiel anzufangen. Also hab ich es wieder deinstalliert.


Der „diggy diggy hole“-Song
(via YouTube, ab 9 Min und 41s, gesungen von Simon a.k.a. Honeydew)

Vor ein paar Monaten stiess ich zufällig auf ein YouTube-Filmchen eines Trupps von professionellen Gamern aus Grossbritannien und – oh Mann – ich hätte nie gedacht, dass ich von einem Tag auf den anderen zu einem begeisterten Fan werden würde. Der Trupp, der sich The Yogscast nennt, war seit den ersten Alpha-Versionen dabei und hat es geschafft, mit einer legendären YouTube-Serie (The Shadow of Israphel) die Aufmerksamkeit der Fans und zukünftigen Fans auf sich zu lenken. Mittlerweile sind sie zu so etwas wie dem Flaggschiff von Minecraft geworden. Die beiden Begründer Lewis (a.k.a. Xephos) und Simon (a.k.a. Honeydew) haben mit ihrer improvisierten Situationskomik einen gewaltigen Fankreis geschaffen und Kultsprüche von sich gegeben, die von Minecraft nicht mehr wegzudenken sind. „See you later, Shitlords“, „That’s a nice everything you have here“ oder der weltberühmte „Diggy-Diggy-Hole“-Song (hier noch ein aufbereiteter Remix.
Ganz am Ende verlinke ich noch zu ein paar besonders gute Videos und Playlisten, damit ihr einen Eindruck bekommt.

Custom Maps und World Edit

Wird denn Minecraft nie langweilig?, mögt ihr euch fragen. Irgendwann muss man doch an den Punkt gelangen, wo man das Spiel ausgereizt hat. Nach unzähligen gebauten Schlössern, unter- und oberirdischen Geleisenetzen und dem tausendsten Abstieg in die Tiefe könnte man meinen, dass Minecraft eintönig wird. Man hat alles gesehen.
Zugegeben, das ist denkbar, aber es dauert sehr lange, bis man diesen Punkt erreicht hat. Und falls es doch einmal langweilig wird, gibt es eine Menge Möglichkeiten, um der Langweile zu begegnen. Die LEGO-Ähnlichkeit von Minecraft ist nämlich nicht nur aufs Gameplay begrenzt, sondern auch aufs Erschaffen von ganzen Weltkarten, von Weltbearbeitungswerkzeugen und von zahlreichen Modifikationen.
Zum Beispiel auf der Projektseite der Page planetminecraft.com findet ihr eine immense Auswahl an Minecraft-Welten, die die User der Seite hochladen und gegenseitig bewerten. Das sind zum einen beeindruckende Gebilde, wie ihr sie im ersten Filmchen gesehen habt, die man aber im eigenen Minecraft-Spiel bewundern kann, aber vor allem auch Custom Maps.
Custom Maps sind Speicherstände von kreativen Minecraft-Usern, die mit den verfügbaren Möglichkeiten ein Abenteuer oder ein Spiel im Spiel erschaffen haben. Das reicht von der einsamen Insel, über eine TNT-Olympiade bis hin zur riesigen grusligen Villa oder zum Todesstern aus dem Star Wars-Universum.
Und damit habe ich gerade mal die Oberfläche angekratzt.


Let’s Build: Evil Fortress #1
(via YouTube, vom User „YogscastSjin“)

Selbstverständlich kann man auch selber eine solche Custom Map herstellen. Dafür gibt es in erster Linie den spieleigenen „Creative Mode“, der Herumfliegen ermöglicht, einfacheres Zerstören von Blöcken ohne dass Werkzeuge Schaden nehmen, Schutz vor Monstern, Feuer und Fallschaden etc. Aber gerade wenn es um hochkomplexe und vor allem riesige Gebilde geht, könnte man wahnsinnig werden, wenn man den hintersten und letzten Block „von Hand“ platzieren müsste.
Dafür gibt es den Mod WorldEdit (und andere, mit denen ich mich aber nicht befasst habe). Mit WorldEdit könnt ihr Werkzeuge als Pinsel definieren und so grossflächig Blöcke setzen, ob es jetzt Erde, Stein oder von mir aus auch TNT-Kisten sein sollen. Ausserdem kann man ganze Bereiche festlegen und entweder durch ein anderes Material ersetzen oder bewegen, ausschneiden, kopieren und an anderer Stelle wieder einfügen.
Sjin, ein weiteres Mitglied der Yogscast, baut zum Beispiel das Fundament einer „Evil Fortress“. (Siehe Video rechts).

Das Technic-Mod-Paket


Tekkit with Duncan.
Duncan erklärt sehr anschaulich wie Tekkit installiert wird
und was man alles damit anstellen kann.
(via YouTube)

Zuallerletzt möchte ich noch auf eines der mächtigsten Mod-Pakete von Minecraft eingehen. Wem Vanilla-Minecraft (=die Grundversion) nicht genug ist, der findet im Technic-Paket (Technic für Singleplayer bzw. Tekkit für Multiplayer) eine umfassende Erweiterung. Während man in Vanilla zwar die eine oder andere komplexe Schaltung herstellen kann (z.B. einen 8-Bit Computer), so ist die Grundversion für den Normalspieler sehr eingeschränkt. Technic und Tekkit bringen gefühlte zwanzig Modifikationen der Grundversion in einen einzigen Launcher, wodurch man sich nicht Gedanken machen muss, ob das eine mit dem anderen kompatibel ist.
Technic und Tekkit erlauben es dem Minecraft-Spieler zuallererst einmal viel mehr Rohstoffe abzubauen; das sind Metalle wie Kupfer und Zinn, Edelsteine wie Saphire, Rubine, Smaragde und so weiter. Hinzu kommen Bergbaumaschinen, die es ermöglichen, den Abbau zu automatisieren und zu sortieren, sodass man sich theoretisch einmal nur noch zurücklehnen kann und mit ansieht, wie die Maschinen die Arbeit für einen erledigen. Aber das bedeutet nicht, dass man ab dann die Beine hochlagert. Es gibt in den beiden Paketen so vieles zu entdecken, dass man gar nicht zur Ruhe kommt. Railcraft, also Minecart-Geleisebau, ist komplexer geworden, man kann Weizen, Flachs, Kürbisse, Melonen anbauen und Züchtungen kreieren, man kann auf verschiedenste Arten Energie gewinnen, von Wind- und Wasser- und Dampfkraft, über Verbrennungsmotoren, zu Geothermik und Sonnenenergie, bis hin zu Atomkraft. Die Energie kann dann genutzt werden, um die bereits automatisierten Maschinen an ein Stromnetzwerk anzuschliessen, um sie noch besser zu automatisieren. Man kann einen Computer bauen und programmieren. Und das ist gerade mal ein Aspekt des Pakets. Ferner kommt noch die Magie (Umwandeln von Rohstoffen in andere gemäss einer Wertetabelle) und die Alchemie (erweiterte Tränke und Verzauberungen von Gegenständen und Rüstungen) hinzu, die genauso komplex und fortgeschritten sind, die ich aber an dieser Stelle nicht genauer beschreibe. Es gibt genügend Videos, die das viel besser machen und gleich noch veranschaulichen. (Siehe rechts).

So. Das war’s von mir zu Minecraft und Tekkit. Wenn ihr bis hier durchgehalten habt: Danke. Ich hoffe, ich hab euch Minecraft ein wenig näher bringen können.
Bleibt mir nur noch zu fragen: Spielt ihr auch? Oder hab ich euch neugierig gemacht? Gibt’s besonders gute Bauten, Maps oder Mod-Pakete, die hier unbedingt noch erwähnt werden müssen? In den Comments hat’s Platz für euch.

~ Dani Vega

Nützliche Links:

Minecraft-Homepage
Technic-Mod-Paket
Sphax’ PureBDCraft Texturen-Paket
WorldEdit-Installation

Architektur:

Verrückte und beeindruckende Bauten
Spongebob: Bikini Bottom
New York
Vollautomatisierter Redstone-Bahnhof
Mittelerde (Vorsicht: Film dauert 50 Minuten und deckt nur einen kleinen Teil der Map ab)

Playlisten:

Vanilla Minecraft: Lewis und Simon, Shadow of Israphel
Vanilla Minecraft: Sips und Sjin
Technologisches Tekkit: Yogscast: Lewis, Simon und Duncan. Die Jaffa Cake Fabrik
Technologisches Tekkit: Yogscast: Duncan
Magisches Tekkit: Rythian und Zoeya
Und noch etwas nicht Yogscastiges: An Egg’s Guide to Minecraft

Über den Autor

Vega

Ich bin Vega, Admin und Redaktor von Spiegelwelten.ch, einem Blog für Videospiele und Bücher, für Geschichten, die unsere Welt abbilden.

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