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Dez 15 2012

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Re:[Buch] Der kleine Hobbit – J.R.R. Tolkien

cover_derkleinehobbit.png

Cover zu Tolkiens „Der kleine Hobbit“
(Cover der alten Auflage vor dem Kinofilm.
Direktlink via dtv.de leider nicht mehr verfügbar)


Bilbo Beutlin war ein wohlhabender und ehrenhafter Hobbit. Obwohl er zur Hälfte heissblütiger Tuk war, konnte er mit Recht behaupten, nur selten in Abenteuer verstrickt gewesen zu sein, und den gelegentlichen Umgang mit Gandalf, dem Zauberer und designierten Störenfried des Auenlandes, nahm man ihm nicht allzu übel.
Bilbo war stolz auf seine Wohnhöhle in Beutelsend, froh um die fünf oder sechs festen Mahlzeiten im Tag, die ruhigen Spaziergänge auf den begrünten Feldwegen in Hobbingen.
Kurzum: Bilbo genoss ein angenehmes und wohlbehütetes Leben, bis eines Tages Gandalf vor seiner Haustüre steht, um ihm von Elben, Zwergen, hohen Bergen und Drachen erzählt. Bilbo macht sich nichts draus, aber als am nächsten Tag zur Teezeit ein Zwerg nach dem anderen mit der Tür ins Haus fällt und sie nahe dran sind, Bilbos Gastfreundschaft überzustrapazieren, ist ihm die Sache nicht mehr geheuer.
Wenn die Zwerge nur auf eine Tasse Tee und ein Stück Kuchen vorbeigekommen und es dabei geblieben wäre, hätte Bilbo bald keinen Gedanken mehr an sie verschwendet. Als ihm jedoch die tapferen Bergleute eröffnen, in Bilbo den lange gesuchten Meisterdieb gefunden zu haben – wobei Gandalf ihnen tatkräftig zustimmte – verstand der arme Hobbit die Welt nicht mehr. Er ein Meisterdieb!
Von einem Tag auf den nächsten stossen sie ihn in ein Abenteuer, ihm ist nicht einmal mehr genügend Zeit geblieben, um Taschentücher einzupacken.
Doch Taschentücher werden noch seine geringste Sorge sein.

John Ronald Reuel Tolkien (kurz: JRRT) brauche ich nicht lange und breit vorzustellen. Spätestens seit Peter Jacksons Verfilmung vom „Herr der Ringe“ ist der Schöpfer von Mittelerde und Vater der Hobbits, Elben, Ents und Orks in aller Munde. Der kleine Hobbit ist die Vorgeschichte zum „Herr der Ringe“. Als Kindergeschichte gedacht, von der Form an mittelalterliche Heldensagen angelehnt, präsentiert sich der kleine Hobbit als anmutiges, detailverliebtes Märchen, in dem Werte wie Ehre, Ruhm, Treue, Freundschaft und Mut noch grossgeschrieben werden und einen eigenen Platz haben.
Eindrücklich ist die distanzierte Erzählstimme, die sich immer wieder an den (jugendlichen) Leser direkt richtet, Überlegungen anstellt, Geschehnisse relativiert, ausschmückt oder abkürzt, wodurch die Stimme sehr variantenreich ist und damit angenehm und niemals langweilig oder schwerfällig.

In Bilbo sieht man sich als Leser in vielerlei Hinsicht gespiegelt. Wie gerne umgeben wir uns doch von einem ruhigen Heim und einem guten Ruf, und wünschen, dass es immer so bleiben möge. Auf einmal wird Bilbo gezwungen, Hals über Kopf in die weite Welt hinauszureiten und das Abenteuer seines Lebens zu bestreiten. Immer wieder erwacht in ihm der sehnliche Wunsch nach Geborgenheit, nach den eigenen vier Wänden, und doch will er – im Nachhinein betrachtet – seine Erlebnisse nicht mehr missen. Er ist an ihnen gewachsen.

Ich könnte seitenweise weitere Eindrücke festhalten, aber ich lasse es hiermit gut sein. Wer der kleine Hobbit noch nicht gelesen hat, dem sei angeraten, es unbedingt und schleunigst zu tun. Und wer ihn schon einmal gelesen hat, der weiss selbst, dass ein zweites Mal Lesen nicht verschwendete Zeit ist.

Wertung: 9sternchen

~ Dani Vega (Rezi am 7.6.2011 auf raVenport veröffentlicht)

Der kleine Hobbit. Roman.
Im englischen Original: The Hobbit Or There and Back Again.
Von J.R.R. Tolkien
Deutsch von Walter Scherf
Erschienen bei dtv, 2002 (6. Auflage). 332 Seiten
ISBN: 978-3-423-08559-5
Neuauflage 2012: 978-3-423-21413-1

Über den Autor

Vega

Ich bin Vega, Admin und Redaktor von Spiegelwelten.ch, einem Blog für Videospiele und Bücher, für Geschichten, die unsere Welt abbilden.

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